Die schwebenden Treppen
Centre for Mathematics Münster
Trotz der Treppen sind die einzelnen Etagen gut einsehbar.
Die gesamte Architektur des CMM verfolgt ein klares Ziel: freie Sicht aus jedem Winkel. Deshalb sind die Wandflächen minimal, Türen gibt es kaum. Drei Atrien durchbrechen die einzelnen Etagen und sorgen zusammen mit den großen Fenstern für eine optimale natürliche Beleuchtung. Diese Weite im Inneren soll die Forschenden später dazu einladen, sich zu spontanen, konstruktiven Gesprächen zusammenzufinden. Auf den im gesamten Gebäude angebrachten Schiebetafeln können sie ihre Gedanken und Ergebnisse direkt festhalten und Ansätze anderer Forschender erkennen. Damit das Konzept aufgeht, dürfen wuchtige Treppen die Sicht nicht versperren.
Zwölf Meter ohne Stützen
Die Forschungs- und Nachwuchsgruppen des Fachbereichs Mathematik und Informatik der Universität Münster baten den Architekten Noah Thieben vom BLB NRW deshalb, in seinen Entwürfen freischwebende Treppen nach dem Vorbild des Isaac Newton Institute der Universität Cambridge zu planen. Allerdings gibt es einen eklatanten Unterschied: Die Raumhöhe in Cambridge ist deutlich geringer, sodass die Treppen erheblich kürzer sind.
Im CMM verlaufen die zwölf Meter langen Treppenläufe ohne Stützen oder Emporen, da diese die Sicht versperren könnten. Dies stellte nicht nur das Planungsteam rund um Thieben, sondern auch die Statiker und Rohbauer vor große Herausforderungen. Zunächst war die Frage nach dem Material zu klären. Stahl ist zwar leicht und gut zu verarbeiten, würde bei der Länge der Treppen aber zu erheblichen Schwingungen führen. Somit fiel die Wahl auf Beton. Aufgrund seines hohen Eigengewichts war die Verarbeitung jedoch auch nicht unproblematisch. Zudem musste der Beton gerade an den Anschlusspunkten durch entsprechend hohe Stahlbewehrungen verstärkt werden.
12 Meter lang ist jeder der Treppenläufe. Sie werden nicht gestützt oder durch eine Empore gehalten. Die freischwebenden Treppen wurden nach einem Vorbild aus Cambridge gebaut.
Treppenbau in umgekehrter Reihenfolge
Neben der Materialwahl stellte auch der Bau selbst eine Herausforderung dar. Normalerweise wird zunächst die unterste Treppe gebaut und abschließend die Treppe, die ins Dachgeschoss führt. Dies war beim Bau des CMM jedoch nicht möglich, da die Gerüste für den Treppenbau der oberen Geschosse entsprechend viel Platz in den unteren Geschossen benötigten. Deshalb wurde zunächst der komplette Rohbau hochgezogen, bevor mit der höchstgelegenen Treppe begonnen wurde. Inklusive Einrüsten dauerte der Bau eines einzigen Treppenlaufs etwa einen Monat. Diese architektonische Pionierarbeit unterstreicht den hohen Innovationsanspruch des Projekts und schafft die baulichen Voraussetzungen für erstklassige Forschung.
Noah Thieben, der das Gebäude entworfen hat, liegen die Treppen besonders am Herzen. „Es ist beeindruckend, zu sehen, dass sich die Blickbeziehungen innerhalb des Gebäudes tatsächlich so ergeben wie in meinem Entwurf“, erzählt er stolz. Jetzt wartet er gespannt auf den Moment, in dem die von ihm selbst entworfenen Handläufe angebracht werden.
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Maren Becker
Nick Beckmann
Stellvertretender Pressesprecher