Unter Dortmunds Straßen
Teamwork in der geheimen Welt der Luftschutzstollen
Unter Dortmunds Innenstadt verbirgt sich vermutlich die größte zivile Luftschutzanlage Deutschlands. Experten des BLB NRW und der OFD NRW steigen regelmäßig hinab – um zu prüfen, ob die 3,5 Kilometer langen Stollen aus dem Zweiten Weltkrieg noch sicher sind.
Tief im Verborgenen
- 3,5 km langes Stollensystem
- ca. 20 m Tiefe unter der Dortmunder Innenstadt
- 30 Jahre Erfahrung – Ulrich Reckinger, BLB NRW
Sicherung bei Gefahr für Leib und Leben
Die Stollenanlage durchzieht die Dortmunder Innenstadt auf einer großen Fläche, über der viele Menschen wohnen und die U-Bahn verkehrt. Umso wichtiger ist es, dass regelmäßig geprüft wird, ob die alte Anlage standsicher ist. Im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) überprüfen Bergbauingenieure auf Grundlage des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes, ob von den Stollen Gefahren durch Hohlraumeinbruch, Wassereinbruch, Gasansammlungen oder mangelnde Standsicherheit ausgehen.
Eingespieltes Team unter Tage: Ulrich Reckinger (BLB NRW, links) und Markus Freiwerth (OFD NRW, rechts) bei der Befahrung der Dortmunder Luftschutzstollen – ausgerüstet mit Schutzhelm, Stirnlampe und robustem Arbeitsanzug.
Ein eingespieltes Team unter Tage
Befahrungen finden grundsätzlich zu zweit statt. Ulrich Reckinger vom BLB NRW und Markus Freiwerth von der OFD NRW sind seit Jahren ein eingespieltes Duo – durchschnittlich zweimal im Monat steigen sie gemeinsam in Anlagen in ganz Nordrhein-Westfalen ab. Zur Pflichtausrüstung gehören Helm mit Stirnlampe, Sicherheitsschuhe und ein geeichtes Messgerät für Sauerstoff und gefährliche Gase. Zusätzlich sichert ein Kollege der BImA den Zugang – die Feuerwehr wird vorab informiert und hält vollständige Stollenkartenunterlagen bereit.
Systematisch durch das unterirdische Labyrinth
Rund 20 Meter unter der Erde werden alle Gänge systematisch abgelaufen und auf Schäden geprüft. Die Stollen variieren dabei stark: Manche erinnern von Höhe und Breite fast an eine Bahnhofshalle, andere sind enge, in das Gestein gesprengte Gänge. In einigen hat sich Regenwasser gesammelt. Nach rund drei Stunden lautet das Urteil: alles in bester Ordnung – bevor das Team wenige Tage später zum nächsten Einsatz nach Wuppertal aufbricht.
Allgemeines Kriegsfolgengesetz (AKG)
Das AKG verpflichtet die Bundesrepublik, unmittelbare Gefahren für Leib und Leben abzuwenden, die aus Kriegsfolgen entstanden sind. Die Dortmunder Stollenanlage wurde während der NS-Zeit auf Veranlassung und aus Mitteln des Deutschen Reiches errichtet – ihre Sicherung ist damit eine staatliche Aufgabe bis heute.